Am Anfang jeder Hilfe steht die fundierte Diagnose

Es kann viele Gründe für eine verzögerte Lernentwicklung bei Kindern geben – es muss sich nicht zwangsläufig um eine Legasthenie handeln. Da bei einer Legasthenie die schulische sowie außerschulische Förderung und Lerntherapien die Situation der Betroffenen entscheidend verbessern können, sind das Erkennen und eine fundierte Diagnose jedoch sehr wichtig. Sie sind die Grundlage für individuellen Förderunterricht in der Schule, für Nachteilsausgleiche in der Ausbildung wie im Studium sowie für qualifizierte Lerntherapien. 

In Bayern ist es für die schulische Förderung sowie für angemessene Nachteilsausgleiche entscheidend, ob es sich um eine Legasthenie (Lese-Rechtschreibstörung) oder um eine Lese-Rechtschreibschwäche handelt. Im Falle einer Lese-Rechtschreibschwäche können die Schulen das betroffene Kind individuell fördern und Hilfestellungen bieten, sind dazu jedoch nicht verpflichtet.

Ansprechpartner für die Diagnostik

Die Diagnose einer Lese-Rechtschreibstörung ist durch Ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten zu stellen. Sprechen Sie im Zweifelsfalls Ihren Hausarzt beziehungsweise Kinderarzt an, damit er Sie zu einem entsprechend qualifizierten Kollegen überweist.

Was findet Beachtung?

Schulleistungen und Lernstand

  • Schulbericht und Leistungsstand, individuelle Lernentwicklung sowie Noten und Leistungen in weiteren Schulfächern
  • Lese-Probe: Leseverständnis, -geschwindigkeit und Lesegenauigkeit
  • Rechtschreibung
  • Intelligenzdiagnostik, möglichst sprachfrei
  • Gesamtentwicklung und Folgeprobleme

Sprachliche und motorische Entwicklung

  • Seh- und Hörleistung
  • Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Sozialverhalten
  • Seelische Belastung
  • Psychosomatische Beschwerden (etwa Kopf- und Bauchschmerzen, Übelkeit)
  • Rahmenbedingungen / äußere Faktoren

Art der Schule und Qualität des Unterrichts

  • Häufigkeit Klassen- und/oder Schulwechsel
  • Schulische Motivation
  • Bereits erfolgte Fördermaßnahmen
  • Familiäre Situation

 

Die Richtwerte bei einer Legasthenie/Lese-Rechtschreibstörung

Eine Legasthenie-Diagnose ist an folgenden Kriterien orientiert:

  • Die Leseleistung und/oder Rechtschreibleistung liegt deutlich unter dem für das Alter, die Klassenstufe und die Intelligenz des Kindes zu erwartenden Stand.
  • Die individuellen Abweichungen der Leistungen in den einzelnen Lernbereichen liegen mindestens unterhalb der durchschnittlichen Abweichungen der entsprechenden Alters- und Klassenstufe im jeweiligen Leistungsbereich.