Unsere Experten: 

Fragen an unsere Beratung - Experten antworten.

  1. Frage: Gibt es in der Schule einen Nachteilausgleich oder Notenschutz wenn mein Kind Dyskalkulie hat?“
    Expertenantwort: von Markus Meyer, Psycholge und Dyskalkulietherapeut aus Erlangen:
    Momentan wird in Bayern leider keinen Nachteilausgleich oder Notenschutz für dyskalkulische Kinder
    gewährt. weiterlesen


  2. Frage: Welche 2. Fremdsprache ist für mein Kind sinnvoll? Latein oder Französisch?
    Expertenantwort von Alexander Geist, Schulpsychologe aus Erding:
    Überlegungen auf der Basis einer umfassenden Leistungsanalyse, nicht des kulturellen Wertes von Sprachen

    Die Fremdsprachen stellen für Legastheniker und rechtschreibschwache Kinder ein besonderes Problem dar. Neben der intensiven Anwendung von fremdsprachenbezogenen Lernmethoden kommt insbesondere einer klugen Wahl der zweiten Fremdsprache eine besondere Bedeutung zu.

    Kein zielführendes Kriterium sind hier nach Ansicht des Autors kulturelle Argumente oder die Nützlichkeit einer Sprache für das Leben – wenn man genau hinsieht, besteht hier zwischen den zweiten Fremdsprachen eine Pattsituation, d.h., für jede Fremdsprache gibt es überzeugende Argumente. Irrelevant soll auch sein, was der Freund / die Freundin wählen, auch wenn der Autor sehr gut weiß, dass dieses Kriterium für die Kinder von großer Wichtigkeit ist; sollte der Freund etwas anderes wählen als das, was für ein Kind selbst gut ist, sollte man als Eltern mit dem Kind überlegen, wie es vielleicht den Freund überzeugen könnte, seine Wahl zu verändern – oder, noch besser, das Kind stärken, dass es auch ohne den Freund eine schöne Schulzeit haben wird.

    Relevant für die Fremdsprachenwahl ist nach Ansicht des Autors insbesondere bei Kindern mit einer Rechtschreibschwäche bzw. bei Legasthenikern allein die Frage: Mit welcher Fremdsprache bestehen die besten Chancen, die weiterführende Schule erfolgreich abzuschließen? Basis für die Antwort ist eine systematische und spezifische Leistungsdiagnose. Die Gleichung „Rechtschreibprobleme – also kein Französisch, sondern Latein“ ist leider zu einfach, hier müssen mehr Aspekte berücksichtigt werden. Die Tabelle am Ende des Artikels, die sozusagen als Checkliste verwendet werden kann, gibt einen entsprechenden Überblick; die Tabelle geht dabei von der an den meisten Gymnasien üblichen Situation aus, dass Französisch und Latein als zweite Fremdsprachen zur Auswahl stehen. (Lesen Sie weiter, in der Mitgliederzeitschrift des BVL LeDy 2/2011 oder senden Sie uns eine Email.)

  3. Frage: Legasthenie im Erwachsenenalter?
    Expertenantwort von Dr. Petra Küspert Würzburger, Institut für Lernförderung:
    Legasthenie entsteht nicht in der Pubertät oder gar erst im Erwachsenenalter, wenn man – endlich frei von schulischen Anforderungen – die Beschäftigung mit Lesen und Schreiben auf das Nötigste reduziert und damit gleichsam diese Kulturtechniken „verlernen“ würde.

    Personen, in denen im Erwachsenenalter die Ahnung entsteht, vielleicht Legastheniker zu sein, haben in der Regel einen langen, oft Jahrzehnte währenden Leidensweg hinter sich, angefangen bei schwachen Lese-Rechtschreib-Leistungen in der Grundschule, Versagen beim Übertritt in eine weiterführende Schule, niedrigen Bildungsabschlüssen und Demütigungen in der Berufsausbildung, da das Führen des „Berichtsheftes“ ihre Defizite auch hier noch offenlegte. Dazu kam im Laufe der Zeit die Einschätzung, einfach „dümmer“ zu sein als andere, da Leistungen im Lesen und Rechtschreiben in früheren Zeiten oftmals als Zeichen von Intelligenz angesehen wurden. Viele Schüler landeten so in „Sonderschulen“, zuweilen trotz gut durchschnittlicher oder sogar überdurchschnittlicher Allgemeinbegabung. Insbesondere in den 1970er und -80er Jahren wurde das Thema „Legasthenie“ in Forschung und Schule quasi „totgeschwiegen“ und Betroffenen wurden falsche Ursachen, wie Desinteresse, Faulheit oder auch mangelnde Begabung, für ihre zumeist unglücklichen „Schulkarrieren“ zugeschrieben.

    Diese emotionale Not, in die solche Personen auch im Erwachsenenalter bei der Auseinandersetzung mit ihrem schulischen Werdegang und der damit verbundenen Verzweiflung am Schriftspracherwerb gleich wieder gelangen, zeugt von der massiven emotionalen Verunsicherung, die diese als Kinder durchleiden mussten, und die nicht selten im Erwachsenenalter noch Auswirkungen zeigt. So berichtet Frau M. aus W.: „Ich hatte es in die Realschule geschafft, war da aber sehr schwach in Deutsch, Englisch, Stenographie und Maschineschreiben; obwohl ich in Mathematik und allen wirtschaftlichen Fächern gut bis sehr gut zurecht kam, musste ich die Schule nach dem zweiten Jahr wieder verlassen und schaffte dann auch nur einen sehr schlechten Hauptschulabschluss. Die Worte meines Vaters ‚was redest Du so schlau daher, lern‘ erst mal schreiben und lesen‘, habe ich heute noch im Ohr. In der Ausbildung wurde ich gedemütigt und habe schließlich abgebrochen.“ Bei Frau M. wurde mit einem IQ von 114 eine gut durchschnittliche Intelligenz festgestellt, Lese- und Rechtschreibtests bestätigten ihre gravierende Schriftsprachproblematik und rechtfertigten die Diagnose einer Legasthenie. Frau M. kennt nun die Ursache ihres langjährigen Versagens, aber auch der damit verbundenen Ängste und Selbstzweifel. Mit diesem neuen Selbst-Verständnis will sie beginnen, daran zu arbeiten – im Leistungsbereich wie im Persönlichen.
    Wie sieht die Legasthenie-Diagnostik bei Erwachsenen aus?
    (Lesen Sie weiter, in der Mitgliederzeitschrift des BVL LeDy 3/2011 oder senden Sie uns eine Email.)


  4. Frage: Was sagt ein Testergebnis aus (und was nicht)? – Allgemeine Fragen erörtert am Beispiel des ELFE 1-6 Leseverständnistests
    Expertenantwort von Dr. phil. Alexandra Lenhard, Psychometrica – Institut für psychologische Diagnostik:
    Letzte Woche klingelte bei mir im Büro das Telefon. Am Apparat war eine mir unbekannte Frau, die mich fragte, ob man den ELFE-Leseverständnistest auch für leistungsschwache Kinder anwenden könne. Diese Frage kam mir seltsam vor. Schließlich besteht das Hauptanliegen eines solchen Testverfahrens darin, die leistungsschwachen Kinder identifizieren zu können, um sie einer adäquaten - in der Regel intensiveren - Förderung zuzuführen. Mit meiner Antwort, dass die ELFE also sogar genau dafür geschaffen sei, gab sich die Frau allerdings nicht zufrieden. Schnell wurde mir klar, dass ich hier keine Psychologin oder Lehrerin am Apparat hatte, sondern eine wütende Mutter. Ihr Kind war mit dem ELFE-Leseverständnistest untersucht worden, und das Ergebnis lag scheinbar im weit unterdurchschnittlichen Bereich. Wütend war die Frau, weil die Lehrerin des Kindes die Leistungsstanderhebung vorgenommen hatte, ohne die Mutter vorher explizit zu fragen. Da in der Schule scheinbar niemand ihre Wut ernst genommen hatte, rief siewohl in ihrer Verzweiflung bei der Firma an, die den Test entwickelt hatte, also bei mir. Was die Frau eigentlich gerne von mir gehört hätte, wäre vermutlich folgende Antwort gewesen: „Nein, ihr Kind hätte man mit dem ELFE-Leseverständnistest auf keinen Fall testen dürfen. Das Ergebnis ist deshalb vollkommen unsinnig und irrelevant.“ Diese Antwort konnte ich ihr leider nicht geben. Das Telefongespräch endete deshalb nach einigem hin und her unbefriedigend.

    Ich dachte im Nachhinein noch einige Zeit über dieses Gespräch nach. Denn ich glaube, dass die Wut, die die Frau an den Tag legte, ein anderes wichtiges Gefühl verbarg, eines, das zu zeigen der Frau - aus welchen Gründen auch immer- scheinbar nicht möglich war: Angst. Was geschieht jetzt mit meinem Kind? Wird mein Kind abgestempelt? Ist mein Kind dumm? Soll mein Kind in eine Sonderschule geschickt werden? Ist ein einziger Test überhaupt in der Lage, solche Urteile zu begründen? Die Ursache für die Angst war also vermutlich Unsicherheit. Und diese Unsicherheit war vermutlich wiederum ein Resultat dessen, dass die Lehrerin, die mit der Frau über das Testergebnis ihres Kindes gesprochen hatte, nicht in der Lage war, das Testergebnis in ein richtiges Licht zu rücken.
    Ich möchte deshalb am Beispiel des ELFE 1-6 Leseverständnistests einige Aspekte erörtern, die das Testen der Lesefähigkeit im Speziellen, aber auch die Anwendung psychologischer Testverfahren im Allgemeinen betreffen. Ich hoffe, im Folgenden einige Unsicherheiten und Missverständnisse ausräumen zu können, die häufig in Bezug auf Testverfahren auftreten. Fangen wir mit der ersten Frage an:

    Ist ein Test wie der ELFE-Leseverständnistest überhaupt für alle Kinder geeignet? (Lesen Sie weiter, in der Mitgliederzeitschrift des BVL LeDy 4/2011 oder senden Sie uns eine Email.)

  5. Hier könnte Ihre Frage stehen, schreiben Sie uns: info@legasthenie-bayern.de



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